Vipassana Meditation – eine kleine Auszeit vom Alltag

Vipassana Meditation

Eine Auszeit in Stille für den Geist kannst du auch durch eine Vipassana Meditation machen. Ich war in einem 3 tägigen Vipassana Retreat in Detmold, das über das Wochenende stattgefunden hat. In diesem Artikel möchte ich dir das Thema Vipassana-Meditation näherbringen und von meinen Erfahrungen berichten.

In unserer Podcastfolge zu diesem Thema haben wir aber auch über eine andere spannende Auszeit gesprochen. Wir waren in einem Rutschenparadies. Wenn du darüber mehr wissen möchtest, findest du hier den Artikel und den Podcast dazu.

Was ist eine Vipassana Meditation?

Vipassana kommt ursprünglich aus Indien, wurde von Goenka verbreitet und ist eine Meditiationstechnik. Es ist das Ziel sich selbst und seine Umgebung so zu beobachten wie sie ist. Es geht darum die geistigen Unreinheiten zu beseitigen, um einen ausgeglichenen Geist voller Liebe und Mitgefühl zu finden. Daraus entsteht eine vollkommene Befreiung.

Diese Meditationstechnik ist der Weg zur Selbstbeobachtung und Selbstveränderung. Unsere Gedanken und Gefühle werden sichtbar und durch gesteigerte Achtsamkeit erkennen wir Illusionen. Uns gelingt die Selbstkontrolle und der innere Frieden für unser Leben.

Die Tradition wurde über viele Jahre, ausgehend von Buddha und dem Buddhismus, weitergegeben. Heute gibt es viele Möglichkeit über die Welt verteilt ein Vipassana zu erleben. Doch der Ursprung begann in Indien und ist auch heute noch das Zentrum dieser Tradition.

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Vipassana Kurse

Ein Kurs ist 10 Tage lang in dem die Technik gelehrt und gespürt wird. Am Ende des Kurses berichten viele Teilnehmer von besonderen Erfahrungen, die sie gemacht haben. Oft kehren die Teilnehmer mit einem klareren Blick über sich selbst zurück. Dafür müssen allerdings einige Regeln eingehalten werden.

1. Zum einen dürfen die Teilnehmer keinen Geschlechtsverkehr in der Zeit haben, jeglichen elektronischen Geräten entsagen, die Zeit der Meditationen nicht kürzen, nicht stehlen oder schlecht Reden und keine Drogen (auch Alkohol) zu sich nehmen.

2. Ein weiterer Schritt ist die Herrschaft über den eigenen Geist zu erlangen. Dabei lernt man, seine Achtsamkeit kontinuierlich auf das Hereinströmen und Herausfließen des Atems zu richten.

3. Ab zirka dem 4. Tag schaffen es die Teilnehmer sich immer besser zu konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit auf ihren Atem zu richten. Der Geist wird ruhiger.

4. Nun ist der Teilnehmer dazu in der Lage die Vipassana Techniken anzuwenden. Welche Empfindungen kann ich beobachten? Gleichzeitig lernen wir, dass wir nicht auf alles was wir denken oder fühlen reagieren (Gleichmut). Außerdem wird das Wohlwollen gegenüber allen Wesen gelehrt und ausgeübt.

Die klassischen Vipassana Kurse werden nicht kommerzialisiert. Die Lehrer erhalten keine Vergütung für das was sie an ihre Teilnehmer weitergeben. Diese Organisation und die Orte leben nur über Spenden. Diese Handhabung passt sehr gut zu dem Buddhismus und versprüht eine enorme Herzlichkeit.

Wenn du dich weiter darüber informieren möchtest, findest du auf Dhamma alle Informationen.

Sabbatjahr
Watamu, Kenia, 2017: morgendliche Meditation am Stand

Warum eine Vipassana Meditation?

Ich habe sehr lange versucht einen solchen Ort zu besuchen und 10 Tage zu schweigen und zu meditieren. Warum sollte diese Erfahrung für mich wichtig sein? Wir wissen eigentlich alle, dass langes Sitzen im Schneidersitz sehr schmerzhaft sein kann und wir doch lieber lange ausschlafen und auf dem Sofa fletzen. Außerdem kann es sehr unangenehm sein, wenn man mal mit sich selbst auskommen muss.

Ich wollte unbedingt den Weg zum Inneren finden und endlich Ruhe im Kopf erfahren. Du kennst es sicherlich: Wir hetzen von einem Termin zum anderen, haben sehr viele Eindrücke am Tag und nehmen uns auch in unserer Freizeit zu wenig Zeit für uns selbst. Wer von euch sitzt regelmäßig an einem ruhigen Ort und hört sich selbst zu? Ich hatte meine Schwierigkeiten.

Natürlich wusste ich, dass meditieren mir sehr gut tun wird. Ich finde hier die ersehnte Ruhe und bin dadurch ausgeglichener. So schaffe ich es die Herausforderungen und die Schnelligkeit im Alltag zu meistern. Doch Pustekuchen! Wenn ich mich hinsetze war ein Feuerwerk in meinem Kopf. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das Chaos abstellen soll.

Vipassana Meditation sollte also eine Möglichkeit sein mehr darüber zu erfahren, um eine regelmäßige Praxis zu erleichtern. Ich wollte unbedingt wissen wie es ist und ob ich das auch kann. Doch ich muss zugeben: 10 Tage stillsitzen machten mir sehr viel Angst. Ich wusste nicht ob ich das schaffe. Außerdem, und das war eine willkommene Ausrede ;), waren die Retreats immer außerhalb der Ferien.

Deshalb suchte ich nach einer Alternative, die dieser Meditationstechnik sehr nah kommt!

Meine Vipassana-Meditation

Ich war begeistert, als ich ein Retreat fand, dass schnell zu erreichen ist und auch noch Yoga miteinbezieht. Das bedeutete für mich – nicht so lange stillsitzen! Mega.

Organisation des Tages

Insgesamt war ich 3 Tage dort. Am Freitag war ab Mittag die Aufnahme und Erklärung der nächsten Stunden. Am Sonntag reisten alle nach dem Mittag wieder ab. Wir waren in einer kleinen Unterkunft, wo jeder sein eigenes Zimmer beziehen durfte und ein wundervoller Wald direkt zu sehen war.

Die Veranstalter waren sehr gut organisiert und strahlten schon beim ersten Kontakt eine so magische Ruhe aus. So stelle ich mir einen Meditationslehrer vor. Ein Fels in der Brandung. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, bekamen wir alle Informationen für die nächsten Tage. Nach der Info war Stille angesagt. Wir durften nicht miteinander kommunizieren.

Der Zeitplan war gut strukturiert und auch nicht zu vollgepackt. Ich bin um 5:30 aufgestanden, habe einen Tee getrunken und mich für die morgendliche Meditation fertig gemacht. Das Programm begann um 6 Uhr morgens. Dort fand man sich ein und setzte sich auf ein Meditationskissen oder nur die eigene Matte. Deine Position konntest du selbst wählen.

Die Inhalte und Erklärungen während des Kurses wurden meistens zu Beginn kurz erklärt. So wusste jeder Teilnehmer was wichtig ist in der nächsten Stunde. Tee und Wasser war immer verfügbar. Jeder hatte für seinen Aufenthalt einen Becher. Wir haben um 10 Uhr gefrühstückt und um 17 Uhr zu Abend gegessen. Wir sind darum gebeten worden keine Mahlzeiten zwischendurch zu essen, da durch die vegane Ernährung und die längere Fastenzeit über Nacht auch einen Detoxeffekt haben soll.

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Meditationstechniken

Jeder Teilnehmer sollten den Tag bewusst erleben und alles langsam und achtsam machen. Vom Zähneputzen bis zum Laufen sollte alles eine meditative Haltung haben. Wenn ich also Zähne geputzt habe, habe ich NUR die Zähne geputzt. Beim Essen ist es mir besonders aufgefallen und bewusst geworden. Oft bin ich im Alltag hier sehr abgelenkt und stopfe das Essen nur schnell rein. „Ich hab ja keine Zeit“. Doch auch hier sollten wir bewusst langsam essen und den Geschmack und die Konsistenz realisieren.

Ich durfte also den ganzen Tag meditieren. Bei jeder Tätigkeit! Diese Einsicht lies mich zur Ruhe kommen und wirklich langsam sein!

Doch natürlich hatten wir auch gemeinsame Meditationen im klassischen Sinne. Unsere Aufgabe wurde immer klar erklärt. Ich sollte mich auf den Atem konzentrieren und zählen. Beim Einatmen sollte die gleiche Zahl gezählt werden wie beim Ausatmen. Die Achtsamkeit auf den Atem lies mich meine Umgebung vergessen und auch die Schmerzen, die ich im Schneidersitz hatte.

Einmal am Tag praktizierten wir auch Yoga. Hier wurden wir auf das längere Sitzen vorbereitet. Die Erklärungen des Lehrers waren sehr hilfreich. Wir durften Hartha und Vinyasa erfahren. Diese Art der Meditation hat mir natürlich am besten gefallen, weil ich hier meine Konzentration am besten auf mich selbst richten konnte.

Passend dazu hatten wir nach dem Essen eine Gehmeditation. Bevor wir im Wald alle still und gemütlich durch den Wald gegangen sind, bekamen wir noch eine Einführung in das richtige Gehen! Sehr ungewohnt aber tatsächlich super leicht, wenn man für einen längeren Zeitraum so geht. Die Natur war wunderschön und lies noch mehr Ruhe zu!

Die Bildmeditation viel mir sehr schwer. Wir hatten uns ein Bild ausgesucht und vor uns an die Wand gehängt. Nun sollten wir das Bild eine Stunde ganz intensiv betrachten. Ich weiß nicht wieso, aber hier hatte ich große Schwierigkeiten und große Schmerzen im Schneidersitz. Ich war nur damit beschäftigt meine Sitzposition minimal und sehr leise zu ändern. Ihr wisst nicht wie laut ein Kissen sein kann, wenn man darauf sitzt und sich bewegt. Auch alle anderen empfanden dies als Challenge und rückten immer mal ihre Glieder zurecht.

Eine große Herausforderung war für mich die Singmeditation OM. Aus irgendeinem Grund habe ich da eine große Blockade. Doch alle haben so laut gesungen, dass meine schiefen Töne keiner hörte. Also konnte ich auch hier super mich in den Ton der Gruppe verlieren. Zuerst fühlt es sich unangenehm an, doch dann spürt man solch eine enorme Kraft und Energie in diesem Raum. Sicherlich hat und der ganze Wald gehört. Doch es fühlte sich wirklich gut an.

Vipassana Meditation
Alex – Lombok, Gerukpuk 2016

Kosten für Vipassana in Detmold

Normalerweise kostet ein Vipassana kein Geld. Es lebt von Spenden. Doch diese Lehrer nehmen dafür Geld, um die spezielle Unterkunft bezahlen zu können. Dort schläft man sehr komfortabel. Bis auf das Strohkissen :D. Ich dachte zuerst es sei ein Scherz, doch sie hatten tatsächlich Strohkissen in der Unterkunft. Es knistert ständig und ist unbequem. Da ich meinen Schlaf sehr liebe, habe ich auf der Wolldecke geschlafen ;).

Einige Teilnehmer berichteten davon, dass sie darauf auch gut geschlafen haben. Also falls du dort auch eine Vipassana Meditation mitmachen möchtest, beachte diese Information. Eigenes Kissen oder doch das Strohkissen in der Unterkunft?

Da ich in einem Einzelzimmer ohne einen anderen Teilnehmer geschlafen habe, habe ich 250€ für 3 Tage bezahlt. Die Unterkunft war sehr sauber, groß und still. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir in einem Kurgebiet waren und die Teilnehmer die Anweisung hatten alles leise zu machen. Auch die Türen leise schließen oder leise durch die Gänge laufen. Das empfand ich als sehr erholsam.

Das Trinken und Essen waren sehr lecker. Jeden Tag gab es einen anderen leckeren Tee und viele unterschiedliche Speisen aus denen man sich etwas Eigenes zusammenstellen konnte. Ich war sehr begeistert und glücklich über das sehr leckere Essen.

Die Kurse zu Vipassana Meditation findest du unter Yogaoum. Dort kannst du auch den 10 tägigen Kurs buchen sofern du die 3 Tage, die ich dir hier vorgestellt habe, schon absolviert hast. Die Lehrer von Yogaoum haben dies so strukturiert, um die Abbruchrate zu minimieren. Durch die 3 Tage weiß nun jeder Teilnehmer, ob er die 10 Tage schaffen kann.

Fazit zur Vipassana Meditation in DE

Ich bin am Sonntag sehr entspannt und mit einer kraftvollen inneren Ruhe nach Hause gefahren. Ich hatte keinerlei Drang etwas zu machen, sondern konnte einfach nur sein. Meine Konzentration war sehr viel besser. Ich hatte nicht das Bedürfnis mein Handy in die Hand zu nehmen und konnte im Garten die Eindrücke der letzten Tage sehr gut reflektieren.

Der Weg nach Hause war mir in dem Moment viel zu laut und wuselig. Doch da ich vorher so langsam alles gemacht hatte, bin ich auch hier einfach in Ruhe Auto gefahren. Ich sah viele Menschen hetzten und mit einer schlecht gelaunten Miene laufen. Ich grinste über beide Ohren und war so stolz auf mich, dass ich es geschafft hatte.

Natürlich hatte ich sehr starke Schmerzen im Schneidersitz, doch am Samstagmorgen kam mir die Einsicht: Ich hatte 1 Stunde ohne Gedanken und ohne gefühlte Schmerzen geschafft. Die nächste halbe Stunde war dann natürlich besonders schwer, weil ich mich auf meinen Körper für eine Millisekunde konzentriert habe.

Die absolute Ruhe innerhalb der Gruppe war für mich das Beste an dieser Vipassana Mediation von Yogaoum. Keine Kommunikation, du brauchst dich nicht verstellen und anderen gefallen, keiner erwartet und keiner sieht deine Emotionen. Da wir uns ja nicht angesehen haben, wussten wir nicht wie es dem anderen geht. Einen Moment hatte ich jedoch, der mir wieder eine Erkenntnis gegeben hat.

Wir saßen im Kreis und schauten eine Kerze an (Sitzmeditation). Meine Sitznachbarin schniefte immer mal. Wahrscheinlich war sie ein wenig krank oder hatte gerade eine emotionale Phase. Ich weiß es nicht, habe mir aber natürlich Gedanken dazu gemacht. Ich gab ihr dann ein Taschentuch! Und dann viel es mir wieder ein: Ich bin wieder im außen und darauf bedacht, dass es anderen gut geht.

Lars sagt oft, dass ich das Helfersyndrom habe. Ja ich helfe anderen gern. Doch manchmal ist das sehr anstrengend und entfernt mich von dem was mir gut tut. Aber in dem Moment viel es mir sehr schwer bei mir selbst zu sein.

Eine weitere Herausforderung war alles langsam und bewusst zu machen. Mir ist immer wieder deutlich aufgefallen, dass ich sehr schnell alles erledigen möchte. Warum? Ich weiß es nicht. Aber ich bin immer in Eile. Schnell essen, schnell gehen, schnell reden und schnell erledigen. Doch dadurch, dass ALLE langsam waren, war es eine wundervolle Erfahrung und so erleichternd.

Daraus entstand dann das Gefühl einfach sein zu können. Ich war tatsächlich im Hier und Jetzt! Mal mehr und mal weniger. Ich hatte Phasen da war es sehr leicht und dann wieder einen Zeitpunkt, der total eindeutig langsam war. Ich danke den Lehrern von Yogaoum, die einen Rahmen geschaffen haben, indem keine Fragen gestellt werden: Darf ich das jetzt machen? Kann ich jetzt auch einfach hier sitzen und nichts tun? Wie geht es den anderen? Was kann ich besser machen?

Du hast dir die Fragen nicht gestellt, weil du wirklich bei dir selbst warst und so warst wie du bist.

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