Sabbatjahr öffentlicher Dienst – Joana erzählt von ihrer Auszeit

Die Freiheit zu haben genau DAS machen zu können was einen erfüllt ist unendlich kostbar – Sabbatjahr öffentlicher Dienst. Joana spricht etwas ganz Wichtiges zum Ende des Interviews an, das bei uns Gänsehaut hervorruft. Jeder Tag und jede Minute sind in unserem Leben verplant. Wir haben Termine, Aufgaben und wichtige Gespräche, die wir dringend noch erledigen oder abhaken müssen. To Do’s und diverse Möchtegern-Aufgaben erschweren uns eines – Das Hinhören.

Hinhören wie es einem geht, was man sich selbst wünscht oder ob man sein Leben so lebt wie man möchte. Joana hat ihr Jahr dafür genutzt ihr Leben zu reflektieren. Neben vielen Terminen und Aufgaben, die sie sich selbst auferlegt hat, hat sie festgestellt, dass sie zu wenig Zeit mit den Menschen hatte, die ihr am wichtigsten waren – ihre Tochter Emilia und sie selbst.

Joana sagt, und wir stimmen ihr zu, dass wir oft im Alltag gar nicht bemerken, wie belastet wir sind. Man hält durch und schleppt sich zum Wochenende. Erfährt aber über die 2 Tage keine Erholung. Währenddessen stauen sich Gefühle und Ängste an, die wir nicht verarbeiten können, weil wir uns keine Zeit dafür nehmen.

Interview mit Joana Barth – Sabbatjahr öffentlicher Deinst

Viele weitere schöne Worte hat sie in diesem Interview gesagt und tolle Gedanken in uns hervorgerufen. Da so viel Tiefgang und Inspiration in diesem Interview steckt, haben wir die Kerngedanken herausgeschrieben und versucht sie zu beschreiben.

Joana wohnt bei Brandenburg und ist eine Förderschullehrerin an einer Grundschule für sehbehinderte Kinder. Gleichzeitig hat sie einen Reithof und gibt Reitunterricht. Sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Freund, ihrer Tochter und super vielen Tieren auf ihren Hof.

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Am Anfang gab es kein grünes Licht

Oft ist es so, dass wir beim Träumen unserer Wünsche strahlen und uns wohl fühlen. Doch dann kommen plötzlich Gründe aus dem NICHTS, die „begründen“ wollen weshalb diese Wünsche nicht erfüllbar sind. Joana wohnt auf einem Hof mit mehreren Generationen und vielen Tieren, um die sie sich gern kümmert. Leider wurde ihre Stute sehr schwer krank und musste viele Medikamente und Operationen erdulden.

Doch Joana konnte nicht mit sich vereinbaren eine lange Zeit ohne Unterbrechung im Schuldienst zu arbeiten. Ihre Reiselust hatte sie schon öfter gepackt und deshalb hat sie trotz vielen Sorgen und Geldverlust ein Sabbatjahr beantragt und auch angetreten.

Wir haben auch über Personen gesprochen, die natürlich nicht so ein gutes Geldpolster oder einen sicheren Job haben wie wir. Wir sind uns einig – es gehört extrem viel Mut dazu, mit wenig Geld und Sicherheit los zu reisen. Doch auch Joana sagt, dass du nicht unbedingt reisen musst, um dir eine Auszeit zu gönnen. Ein Podcast mit Sebastian Kühn bei dem Digitalen Nomaden Podcast zeigt das ganz deutlich. Er hat in einem Jahr unterschiedliche Lebensweisen getestet und eines passt sehr gut zu unserer Philosophie: Er war 4 Wochen abgeschieden und ganz alleine, um einfach nur da zu sein.

Kein Internet, keine sozialen Kontakte weder offline noch online. Dafür Unmengen an wunderschöner Zeit mit sich selbst und seinen Gedanken. Auch wenn zuerst der Gedanke aufkommt, dass das ja albern ist oder total langweilig, wissen wir alle, dass die Welt um uns herum sehr laut ist und wir uns alle immer mal etwas Ruhe wünschen. Solch eine Auszeit kann jeder sich selbst ermöglichen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen.

Im Interview mit Joana wird deutlich, dass sie eine starke und entscheidungsfreudige Person ist, die nicht lange fackelt. Um ein Sabbatjahr für ihre Tochter zu beantragen, sprach sie mit der Schulleitung, die dann die Freistellung ausstellte. Wir wissen aber auch, dass diese Freistellung von Person zu Person unterschiedlich ausfallen wird. Selbstsicherheit kann das Gespräch erleichtern und zum positiven wenden.

Freiheit
Den Mut haben loszufliegen!

Mut ebnete ihnen den Weg

Auch als die beiden schon unterwegs waren, sind zu Hause einige Tiere krank geworden. Joana und ihre Tochter reisten deshalb im Jahr immer mal nach Hause, um diese Tiere zu pflegen oder gehen zu lassen. 3 Monate reisen und dann wieder zu Hause sein. Wenn es passt wieder losziehen und dann wieder nach Hause kommen. Eben das Jahr so gestalten wie es zu einem selbst passt. Frei sein darin zu entscheiden was man möchte.

Zu Hause waren ihre Mutter und ihr Freund, die auf alles Acht gegeben haben. Auch das kann für manche eine Ausrede sein nicht zu reisen. Doch die beiden empfinden auch heute noch diese Tatsache nicht als Problem. Wer sich festhält an anderen Personen kann auch nicht vorwärtskommen. Die Personen, die gerade nicht bei dir sind, gehen ja trotzdem deinen Weg mit dir. Die Zeit gemeinsam intensiver verbringen und glücklich über individuelle und neue Wege sein.

Hinhören – Klarheit – Endscheidungen

Warum sollte man eine solche Auszeit machen? Wir stellen uns diese Frage oft. Aber wir wissen auch, dass da draußen viele sind, die sich diese Frage nicht stellen und auch nicht beantworten. Sie wünschen sich Ruhe und Entspannung, nehmen sich diese Momente aber nicht aktiv. Geschenkt wird einem kein Urlaub. Für uns ist der Grundgedanke einer Auszeit ein anderer als Urlaub. 1 Woche an den Strand fahren, ist keine Erholung für den Kern deines Körpers. Er beginnt gerade zur Ruhe zu kommen und muss dann direkt wieder 100 % geben.

Im Interview vertreten wir die Meinung, dass eine Auszeit die Möglichkeit gibt, dein Leben zu reflektieren. Deinem Herz zuzuhören und dann die Entscheidungen zu treffen, die du für dich auswählst. Deine Gedanken sortieren und verarbeiten. Gefühle spüren und annehmen. Körperliche Reaktionen auf diese Gedanken und Gefühle, sehen und anerkennen. Entscheidungen aus vergangenen Tagen aus einem anderen Blickwinkel betrachten und dessen Wertigkeit erkennen. Auch dann, wenn sie „falsch“ waren. Eine Entscheidung ist nie falsch, nur das nicht entscheiden.

Hast du den richtigen Beruf für dich gewählt? Fühlst du dich dort wohl oder gibt es Ecken und Kanten an denen du hängen bleibst? Wie kannst du hier deine Erfüllung und Persönlichkeit ausleben ohne das Unternehmen zu sprengen? Kannst du im Kleinen deine Welt im Beruf schöner gestalten oder entscheidest du dich für eine Umstrukturierung?

Fragen über Fragen

Lebst du das Leben, das du dir wünschst? Bist du an dem Ort, der dir gefällt? Hast du noch Aktivitäten oder Fähigkeiten, die du noch erleben oder erlernen möchtest? Welche Erkenntnisse nimmst du aus deiner Gedankenwelt mit in dein Leben? Wer bist du und wer möchtest du weiterhin sein?

Viele Fragen, die man sich sehr gut in einem Sabbatjahr stellen kann und auch darf. Wenn es außen leise wird, wird es innen laut. Wir kennen das wenn wir schlafen gehen möchten. Die Stimmen und Gefühle werden sehr laut. Das kann man aktivieren und strukturieren in einer Auszeit. Bewusste Entscheidung zur Selbstreflexion.

Wir leben den ganzen Tag in einer Blase, die uns beschränken kann. Lass sie platzen und hole tief Luft.

Joana und ihre Tochter haben unterwegs ebenfalls solche Erfahrungen gemacht und sind gemeinsam und alleine persönlich gewachsen. Sie haben gemeinsam Herausforderungen gemeistert und sich gegenseitig unterstützt. Joana hat für sich entschieden, dass sie weniger von A nach B reisen möchte, weil ihr die Erholung an einem Ort wichtiger war. Ihre Tochter spiegelte ihr diesen Wunsch ebenfalls wieder, weil dort wo sie ankamen wunderbare Menschen lebten. Den ganzen Tag malen und turnen waren ihre Leidenschaft. Joana musste auch dies mit sich ausmachen und stellte fest, dass die Zeit auch vergeht, wenn man keine Termine hat.

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Langsam

Langsam leben und ankommen – schaffst du das im Alltag? Bist du mitten im Moment, wenn du isst oder einen Tee trinkst? Genießt du das Gespräch mit deiner Freundin oder deinem Freund ohne auf dein Handy zu schauen? Bist du stolz auf dich, als du letzten Sonntag nichts Produktives gemacht hast? Nur herumliegen, schlafen oder einen Spaziergang machen? Und das dann eine längere Zeit?

Ich habe oft das Gefühl, dass wir nur von Moment zu Moment hetzen und die Gegenwart nicht genießen. In der Gegenwart denken wir nur an die Zukunft. Eine Auszeit ermöglicht uns genau das nicht zu tun. Was passiert im nächsten Moment? Völlig egal! Ich lebe Hier und Jetzt und muss mich gerade nicht beweisen.

Das nennt Joana „ankommen“! Uns ist aufgefallen, dass wir oft irgendwo ankommen wollen und es dann erst schön oder geschafft ist. Der Weg soll aber auch wichtig sein. Die beiden haben unterwegs einen „Visa run“ (wenn ein Visum zu kurz dauert, muss man manchmal ausreisen und wieder einreisen) gemacht, um ihr Visum aufzufrischen. Ein Kurztrip mit Bus (36h) nach Malaysia. Na Und! Zeit zu Zweit und ganz viele schöne Momente unterwegs machen jede Zeit wunderbar.

Normalerweise wird dann total gemeckert: Das war total anstrengend. Es hat sich nicht gelohnt. Wir haben nur gesessen. Mir tut alles weh. Bla Bla Bla …

Wir haben Joana natürlich gefragt wie es ihr jetzt nach dem Sabbatjahr geht und welche Entscheidungen, die sie im Sabbatjahr getroffen hat, nun in ihren Alltag mitnimmt. Sie begegnet uns mit der Antwort, dass das Leben eine bewusste Entscheidung ist. Sie hat sich vorgenommen weniger Aufgaben am Tag zu erledigen, damit sie mehr Zeit für ihre Familie und sich selbst hat. Emilia hat für sich entschieden, dass sie jetzt sehr viel lernen will. Sie hatte eine Pause und möchte jetzt ihren Wissensdurst löschen.

Wege finden
Neues wagen!

Neue Lebensmodelle entdecken – Perspektive wechseln

Am Ende unseres Interviews sprechen wir über die Vernetzung mit Menschen, die andere Lebensmodelle leben, andere Perspektiven einnehmen können und deshalb nicht den üblichen Lebensstil leben, den wir von unseren Nachbarn kennen. Nichts an allen Lebensmodellen ist falsch. Jeder darf seine Welt selbst kreieren. Aber es ist unglaublich bereichernd, wenn man mal andere Kulturen, Sitten oder Bräuche kennenlernt und das ein oder andere für sich mitnimmt. Dein Leben soll ja dein Leben sein, also darfst du es auch so gestalten wie du es möchtest.

In Thailand, Buritara, leben sehr viele deutschsprachige Familien, die aus Deutschland entweder ausgewandert sind, sich dort zeitweise vernetzten oder dies einer ihrer Lebensmittelpunkte ist. Familie A ist ausgewandert und lebt über einen sehr langen Zeitraum in Thailand und lässt ihre Kinder frei lernen. Familie B fliegt über die Wintermonate in ein warmes Land, tauscht sich gern mit Gleichgesinnten aus. Familie C hat mehrere Stationen auf der Welt, die sie über das Jahr oder die Zeit ihres Lebens anfahren und dort die jeweiligen Vorzüge genießen. Sie sind alle global vernetzt und profitieren von anderen Erfahrungen und Meinungen. Sie haben alle für sich entschieden, das eine 40 Stunde Woche in Deutschland und die einengende Schule keine Option mehr für sie ist.

Nach Hause kommen

Wir mögen diesen Gedanken und nutzen ihn auch gern für uns. Allerdings brauchen wir auch eine Basis zu der wir immer wieder zurückkehren wollen. Nach Hause kommen ist etwas Schönes, sagt auch Joana. Gleichzeitig lieben wir die Flexibilität jederzeit unsere Sachen packen zu können und loszuziehen. Jeder Fleck auf der Erde ist wunderschön und hat seinen ganz persönlichen Charm. Joana, wie auch wir, sind der Meinung, dass im Leben Änderungen passieren dürfen und man sich immer Mal umentscheiden darf!

Wer nicht nach Buritara fliegen möchte, obwohl ich mir sicher bin, dass das eine sehr gute Community ist, kann man auch online das Wissen anderer aufsaugen und sein eigenes anderen schenken. Der Citizen Circle hat genau diese Menschen vernetzt. Lars erklärt das im Interview sehr kurz und knackig. Ortsunabhängige Unternehmer und Solopreneure sind bereits sehr erfolgreich oder noch auf dem Weg dahin. Sie teilen ihr Wissen in Webinaren, Workshops, Konferenzen und Masterminds. Masterminds sind kleine Gruppen, die sich regelmäßig online treffen und über ihre Projekte sprechen. Wie ein Mentor oder Coaching Programm.

Fazit

Für jeden ist es möglich sich seine individuelle Auszeit zu gestalten. Diese sollte zu ihm/ihr passen und sie ein Stückchen voranbringen, damit man im Leben sehr viel lernen kann. Genau, wir hören nie auf zu lernen 😉 Der Begriff „ausgelernt“, den wir aus der Ausbildung kennen ist damit wohl auch ziemlich sinnlos.

Joana hat so wie ihre Tochter dieses Gefühl von „Ich kann alles schaffen“ mit nach Hause genommen und ein Projekt auf die Beine gestellt. Auch wenn sie im Interview noch an ihren Fähigkeiten zweifelt, kann sie stolz auf sich sein. Wir sind der Meinung, dass ihr Produkt sehr gut ist und den Zahn der Zeit trifft! Vielleicht möchtest du auf ihrer Plattform ja mal vorbeischauen.

Joana hat einen Mitgliederbereich erstellt, wo Familien ihre Lernlust wiederaufleben lassen können. Ohne Frust lernen können! Das ist ihr Ziel.

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Wir leben wirklich so schnell und für sehr fragwürdige Dinge in unserer heutigen Zeit. Klasse, dass manche sich die Zeit einfach nehmen. Ich wünschte, ich hätte den Mumm dazu. War inspirierend zu lesen.

    LG

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