Das Spiel des Lebens – Was du von Kindern lernen kannst

Das Spiel des Lebens

Ich durfte Nando über das Thema „Spielen – das Spiel des Lebens“ interviewen. „Nando Stöcklin studierte Ethnologie und doktorierte in Pädagogik. Beruflich beschäftigte er sich als Forschungsmitarbeiter mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Bildungswesen und als Folge mit Spielen.“

„Seither versucht er die Vorzüge vom Spiel konsequent für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu nutzen und die unnötigen Kluften zwischen Spielen, Arbeiten und Lernen zu überwinden. Seine Kinder sind ihm grosse Vorbilder und weisen ihm den Weg.“ Auf seinem Blog „Spiel dein Leben“ kannst du ihn besser kennenlernen.

Spielen ist das Mittel der Natur, um sich zu entwickeln, um zu lernen. Nando

Eigentlich spielen nur Kinder! Oder? Wir sagen, dass auch Erwachsene das Spiel des Lebens kennen und es bewusst immer wieder neu bedenken sollten. Im Laufe des Interviews wird dir sicherlich klar, weshalb das Spielen für dich als Erwachsener ebenfalls wichtig ist! Frage an dich: Was bedeutet spielen oder das Spiel des Lebens für dich? Nando hat für dich einen Artikel auf unserem Blog geschrieben. Viel Freude beim Lesen oder Hören.

Spiel dein Leben
Nando Stoecklin

„Du willst spielen? Erledige zuerst die Hausaufgaben. Wenn die Zeit dann noch reicht, dann kannst du gerne spielen.“ Kennst du diese Aussage? Hast du sie vielleicht selber so oder ähnlich gemacht? Der gesellschaftliche Stellenwert des Spielens ist gering – zu unrecht. Denn Spielen ist zentral für eine gesunde Entwicklung, für die Entfaltung des Potenzials und fürs Lernen.

Was ist eigentlich ein Spiel?

Volleyball? World of Warcraft? Räuber und Gendarm? Was genau ist überhaupt ein Spiel, was macht ein Spiel aus? Die meisten beliebten Spiele entstanden während der industrialisierten Zeit. Diese war durch Wettbewerb geprägt. Entsprechend hatten auch die meisten Spiele Wettbewerbs-Charakter.

Schauen wir uns das vorschulische Spiel der Kinder an, lernen wir eine andere Art des Spielens kennen. Kinder tun, was ihrem Innersten entspringt. Sie hüpfen, sie bauen, sie entdecken. Immer tun sie etwas, was sie herausfordert. Und immer tun sie das einfach aus Freude. Damit haben wir alle Komponenten zusammen: Ein Spiel ist eine selbstbestimmte Herausforderung, deren Ziel in der Herausforderung selbst liegt. Diese Sicht auf das Spiel ist wichtig um zu verstehen, wie zentral Spielen ist.

Spielen ist Lernen. Auf den Baum klettern. Mit Lego eine Burg bauen. Mit Puppen spielen. Jedes Spiel ist eine Herausforderung, die gerade dem Innersten des Kindes (oder des Erwachsenen) entspringt. Nur das Kind weiß, was es gerade herausfordert.

Eine Herausforderung ist eine Tätigkeit, die genau den aktuellen Fähigkeiten entspricht. Sie ist nicht zu einfach, sonst wäre das Kind unterfordert. Sie ist auch nicht zu schwierig, nicht zu überfordernd. Eine Tätigkeit, die genau zu den aktuellen Fähigkeiten passt, ist der optimale Nährboden für das Lernen. Wer unter- oder überfordert ist, lernt deutlich weniger. Spielen ist das Mittel der Natur, um sich zu entwickeln, um zu lernen.

Das Spiel des Lebens
Neugier – Freude – Spaß

Spielen ist Potenzial entfalten

Jeder Mensch bringt bestimmte Talente und Interessen mit sowie einen individuellen Entwicklungsplan. Die einen interessieren sich mit vier Jahren für Buchstaben und Zahlen, andere erst mit 10 oder noch später.

Jedes Lebewesen möchte sein Potenzial entfalten. Ein Pinguin fühlt sich im Wasser pudelwohl, ein Grizzlybär in bergiger Wildnis. Genauso wie Pinguine und Grizzlybären möchten auch Menschen ihre Talente nutzen. Auch sie möchten in ihrem Element sein. Um das zu erreichen, hat uns die Natur wiederum das richtige Werkzeug mit auf den Weg gegeben: Spielen.

Beim Spielen tun wir das, was unserem Innersten entspringt. Das wiederum deckt sich mit unseren Interessen und unseren Talenten. Es gibt keine bessere Möglichkeit, unser Potenzial zu entfalten als zu spielen. Werden wir vom Spielen abgehalten, kann das dazu führen, dass wir unser Potenzial nicht entfalten können.

Talent – Potenzial – Flow

Spielen ist gesund

Dieser Aspekt ist vielschichtig. Stell dir wieder den Pinguin vor, der ausgelassen im Wasser schwimmt. Er fühlt sich pudelwohl, denn er ist in seinem Element. Genauso fühlen sich Kinder pudelwohl, wenn sie in ihrem Element sind. Im Flow. Und das sind sie beim Spielen. Dann deckt sich das, was sie tun möchten, mit dem, was sie tun.

Beim Spielen können Kinder aber auch ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Sie tun ja das, was sie herausfordert, das was ihren jeweiligen Fähigkeiten entspricht. Sie werden vielleicht mal scheitern dabei, aber sie probieren es wieder und wieder und irgendwann meistern sie ihre Herausforderung. Sie sind auf den Baum geklettert oder haben mit Holzklötzen einen stabilen Turm bis zur Zimmerdecke gebaut. Jede gemeisterte Herausforderung hinterlässt ein gutes Gefühl von „ich kann das“.

Wer hingegen unterfordert ist, lässt die Zeit verstreichen, ohne dass sich das befriedigende Gefühl des „ich habe es geschafft“ einstellt. Und wenn Kinder sich überfordert fühlen? Da entsteht das Gefühl von „ich bin dem nicht gewachsen“ oder gar „ich bin unfähig“. Beides schädigt das gesunde Selbstvertrauen.

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Von der Leistungsorientierung des 20. Jahrhunderts zur Spielorientierung des 21.

In der industrialisierten Zeit war das Spiel in die Abstellkammer verbannt. Es galt, Leistungen zu erbringen, die in Lehrplänen oder Jobbeschreibungen definiert waren.

In der Arbeitswelt standen Routinetätigkeiten im Vordergrund. Egal, ob in der Fabrik, der Verwaltung oder im Verkauf: Immer wurden Prozesse in Einzelteile zerlegt, normiert und dann jeder Einzelprozess einer Person anvertraut, die eine dafür notwendige Ausbildung durchlaufen und ein normiertes Diplom vorweisen konnte.

Das war so ziemlich das Gegenteil vom Spiel.

Genau diese Routinetätigkeiten werden nun mehr und mehr in Algorithmen übertragen. Neu erschaffene Arbeitsstellen haben einen ganz anderen Charakter: Sie verlangen vor allem Kreativität, Problemlösefähigkeit und Sozialkompetenz. Diese Kompetenzen lassen sich am besten bilden durch – Spielen.

Selbstbestimmt die Welt entdecken – Spiel deines Lebens

Nandos Fazit

Kinder, die auf Leistung getrimmt werden, sind heute gegenüber jenen Kindern, die spielerisch aufwachsen können, stark benachteiligt: Sie können ihr Potenzial nicht entfalten. Sie fühlen sich psychisch unwohl. Sie können schlechter ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Sie lernen ineffizienter und weniger nachhaltig. Und sie sind nicht auf ihre Zukunft vorbereitet.

Doch dies ist nur die halbe Geschichte. Hier habe ich nicht weniger als 10 Punkte gelistet, weshalb Spielen enorm wichtig ist.

Ausser der Tradition gibt es keinen Grund mehr, Kinder auf Leistung zu trimmen und sie so vom Spiel und somit von sich selbst wegzuführen.

Was hat das nun mit dir zu tun?

Du bist doch erwachsen und denkst eher an ein Sabbatjahr! Ich sehe in diesem Beitrag das Fundament deines Sabbatjahres. Nando erklärt uns ganz präzise weshalb das Spielen uns in unserer Zukunft für uns ganz persönlich helfen kann. Doch du kannst die Zeit nicht zurückdrehen!

Aber du kann durch eine Auszeit die Zeit kurz „anhalten“ und über alles nachdenken was in der Vergangenheit passiert ist. Du kannst, weil du die Strukturen und Pläne deines Jobs gerade nicht beachtest, dein Leben spielen!

Was für dich „Spiel deines Lebens“ bedeutet kannst nur du entdecken. Denn Nando hat in seinen Worten erwähnt, dass dieses Tun aus dem Inneren kommt und von außen nicht geplant werden kann. Wir können dir nicht sagen, wie dein Leben aussehen könnte.

Wie kann dein Leben aussehen? Wer bist du und was machst du gern? Spiel dein Leben in deinem Sabbatjahr! Für mehr Inspiration findest du hierzu einen Artikel.

Bilder unter anderem von:
Sasin Tipchai auf Pixabay
Ryan McGuire auf Pixabay
Free-Photos auf Pixabay
Esther Merbt auf Pixabay

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